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Irrungen Wirrungen

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FÜNFUNDZWANZIGSTES KAPITEL Es war ein herrlicher Morgen, der Himmel halb bewölkt, und in dem leisen Westwinde, der ging, saß das junge Paar auf dem Balkon und sah, während Minette den Kaffeetisch abräumte, nach dem Zoologischen und seinen Elefantenhäusern hinüber, deren bunte Kupp eln im Morgendämmer lagen. "Ich weiß eigentlich noch nichts", sagte Botho, "du bist ja gleich eingeschlafen, und der Schlaf ist mir heilig. Aber nun will ich auch alles wissen. Erzähle." "Ja,  erzählen;  was  soll  ich  erzählen?  Ich  habe  dir  ja  so  viele  Briefe  geschrieben,  und  Anna Grävenitz und Frau Salinger mußt du ja so gut kennen wie ich oder eigentlich noch besser, denn ich habe mitunter mehr geschrieben, als ich wußte." "Wohl. Aber ebenso oft hieß es: ›Davon mündlich.‹ Und dieser Moment ist nun da, sonst denk’ ich, du willst mir etwas verschweigen. Von deinen Ausflügen weiß ich eigentlich gar nichts, und du warst doch in Wiesbaden. Es heißt zwar, daß es in Wiesbaden nur Obersten und alte Generale gäbe, aber es sind doch auch Engländer da. Und bei Engländern fällt mir wieder dein Schotte ein, von dem du mir erzählen wolltest. Wie hieß er doch?" "Armstrong;  Mr.  Armstrong.  Ja,  das  war  ein  entzückender  Mann,  und  ich  begriff  seine  Frau nicht,  eine  Alvensleben,  wie  ich  dir,  glaub’  ich, schon sagte, die beständig in Verlegenheit kam, wenn er sprach. Und er war doch ein vollkommener Gentleman, der sehr auf sich hielt, auch dann noch, wenn er sich gehen ließ und eine gewisse Nonchalance zeigte. Gentlemen bewähren sich in solchen Momenten immer am besten. Meinst du nicht auch? Er trug einen blauen Schlips und einen gelben Sommeranzug und sah aus, als ob er darin eingenäht wäre, weshalb Anna G rävenitz immer sagte: ›Da kommt das Pennal.‹ Und immer ging er mit einem großen aufgespannten Sonnenschirm, was er sich in Indien angewöhnt hatte. Denn er war Offizier in einem schottischen Regiment, das lange in Madras oder Bombay gestanden, oder vielleicht war es auch Delhi. Das ist aber am Ende gleich. Was der alles erlebt hatte! Seine Konversation war reizend, wenn man auch mitunter nicht wußte, wie man’s nehmen sollte." "Also zudringlich? Insolent?" "Ich bitte dich, Botho, wie du nur sprichst. Ein Mann wie der; Kavalier comme il faut. Nun, ich will dir ein Beispiel von seiner Art zu sprechen geben. Uns gegenüber saß die alte Generalin von Wedell, und Anna Grävenitz fragte sie (ich glaube, es war gerade der Jahrestag von Königgrätz), ob es  wahr  sei,  daß  dreiunddreißig  Wedells  im  Siebenjährigen  Kriege  gefallen  seien,  was  die  alte Generalin bejahte, hinzusetzend, es wären eigentlich noch einige mehr gewesen. Alle, die zunächst saßen, waren über die große Zahl erstaunt, nur Mr. Armstrong nicht, und als ich ihn wegen seiner Gleichgiltigkeit  scherzhaft  zur  Rede  stellte,  sagte  er,  daß  er  sich  über  so  kleine  Zahlen  nicht aufregen  könne.  ›Kleine  Zahlen‹,  unterbrach  ich  ihn,  aber  er  setzte  lachend,  und  um  mich  zu widerlegen,  hinzu,  von  den  Armstrongs  seien  einhundertdreiunddreißig  in  den  verschiedenen Kriegsfehden  seines  Clans  umgekommen.  Und  als  die  alte  Generalin  dies  anfangs  nicht  glauben wollte,    schließlich    aber    (als    Mr.    A.    dabei    beharrte)    neugierig    frug,    ob    denn    alle hundertdreiunddreißig  auch  wirklich  ›gefallen‹  seien,  sagte  er:  ›Nein,  meine  Gnädigste,  nicht gerade gefallen, die meisten sind wegen Pferdediebstahl von den Engländern, unseren damaligen Feinden, gehenkt worden.‹ Und als sich alles über dies unstandesge mäße, ja, man kann wohl sagen, etwas genierliche Gehenktwerden entsetzte, schwor er, wir täten unrecht, Anstoß daran zu nehmen, die  Zeiten  und  Anschauungen  änderten  sich,  und  was  seine  doch  zunächst  beteiligte  Familie betreffe,   so   sähe   dieselbe   mit   Stolz   auf   diese   Heldenvorfahren   zurück.   Die   schottische Kriegsführung habe dreihundert Jahre lang aus Viehraub und Pferdediebstahl bestanden, ländlich sittlich,  und  er  könne  nicht  finden,  daß  ein  großer  Unterschied   sei  zwischen  Länderraub  und Viehraub." "Verkappter Welfe", sagte Botho. "Aber es hat manches für sich." 86
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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