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Irrungen Wirrungen

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VIERUNDZWANZIGSTES KAPITEL Am  dritten  Tage  traf  ein  im  Abreisemoment  aufgegebenes  Telegramm  ein:  "Ich  komme  heut abend. K." Und wirklich, sie kam. Botho war am Anhalter Bahnhof und wurde der Frau Salinger vorgestellt, die von Dank für gute Reisekameradschaft nichts  hören wollte, vielmehr immer nur wiederholte, wie glücklich sie gewesen sei, vor allem aber, wie glücklich er sein müsse, solche reizende junge Frau zu haben. "Schaun S’, Herr Baron, wann i das Glück hätt’ und der Herr Gemoahl wär’, i würd’ mi   kein’   drei   Tag’   von   solch   ane   Frau   trenne."   Woran   sie   dann   Klagen   über   die   gesamte Männerwelt, aber im selben Augenblick auch eine dringende Einladung nach Wien knüpfte. "Wir hoab’n a nett’s Häusl kei Stund von Wian und a paar Reitpferd und a Küch’. In Preußen hoaben s’ die Schul’, und in Wian hoaben wir die Küch’. Und i weiß halt nit, was i vorzieh’ ." "Ich weiß es", sagte Käthe, "und ich glaube, Botho auch."   Damit trennte man sich, und unser junges Paar  stieg in einen offenen Wagen, nachdem Ordre gegeben war, das Gepäck nachzuschicken. Käthe  warf sich zurück und stemmte den kleinen Fuß gegen  den  Rücksitz,  auf  dem  ein  Riesenbouquet,  die  letzte  Huldigung  der  von  der  reizenden Berliner  Dame  ganz  entzückten  Schlangenbader  Hauswirtin, lag. Käthe selbst nahm Bothos Arm und schmiegte sich an ihn, aber auf wenig Augenblicke nur, dann richtete sie sich wieder auf und sagte, während sie mit dem Sonnenschirm das immer aufs neue herunterfallende Bouquet festhielt: "Es  ist  doch  eigentlich  reizend  hier,  all  die  Menschen  und  die  vielen   Spreekähne,  die  vor  Enge nicht ein noch aus wissen. Und so wenig Staub. Ich find’ es doch einen rechten Segen, daß sie jetzt sprengen und alles unter Wasser setzen; freilich lange Kleider darf man dabei nicht tragen. Und sieh nur den Brotwagen da mit dem vorgespannten Hund. Es ist doch zu komisch. Nur der Kanal … Ich weiß nicht, er ist immer noch so …" "Ja",  lachte  Botho,  "er  ist  immer  noch  so.  Vier  Wochen  Julihitze  haben  ihn  nicht  verbessern können." Sie fuhren unter den jungen Bäumen hin, Käthe riß ein Lindenblatt ab, nahm’s in die hohle Hand und schlug drauf, daß es knallte. "So machten wir’s immer zu Haus. Und in Schlangenbad, wenn wir  nichts  Besseres  zu  tun  hatten,  haben  wir’s  auch  so  gemacht  und  alle  die  Spielereien  aus  der Kinderzeit  wieder  aufgenommen.  Kannst  du  dir’s  denken,  ich  hänge  ganz  ernsthaft  an  solchen Torheiten und bin doch eigentlich eine alte Person und habe abgeschlosse n." "Aber Käthe …" "Ja, ja, Matrone, du wirst es sehn … Aber sieh doch nur, Botho, da ist ja noch der Staketenzaun und das alte Weißbierlokal mit dem komischen und etwas unanständigen Namen, über den wir in der Pension immer so schrecklich gelacht haben.  Ich dachte, das Lokal wäre längst eingegangen. Aber  so  was  lassen  sich  die  Berliner  nicht  nehmen,  so  was  hält  sich;  alles  muß  nur  einen sonderbaren Namen haben, über den sie sich amüsieren können." Botho schwankte zwischen Glücklichsein und Anflug von Verstimmung. "Ich finde, du bist ganz unverändert, Käthe." "Gewiß bin ich. Und warum sollt’ ich auch verändert sein? Ich bin ja nicht nach Schlangenbad geschickt  worden,  um  mich  zu  verändern,  wenigstens  nicht  in  meinem  Charakter  und  meiner Unterhaltung. Und ob ich mich sonst verändert habe? Nun, cher ami, nous verrons." "Matrone?" Sie hielt ihm den Finger auf den Mund und schlug den Reiseschleier wieder zurück, der ihr halb über das Gesicht gefallen war, gleich danach aber passierten sie den Potsdamer Bahnviadukt, über dessen Eisengebälk eben ein Kurierzug hinbrauste. Das gab ein Zittern und Donnern zugleich, und als sie die Brücke hinter sich hatten, sagte sie: "Mir ist es immer unangenehm, gerade drunter zu sein." "Aber die drüber haben es nicht besser." 84
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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