Title:

Irrungen Wirrungen

Home
deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>|
  Wir empfehlen:       
 

DREIUNDZWANZIGSTES KAPITEL Botho  sah  in  die  Asche.  "Wie  wenig  und  wie  viel."  Und  dann  schob  er  den  eleganten Kaminschirm wieder vor, in dessen Mitte sich die Nachbildung einer pompejanischen Wandfigur befand. Hundertmal war sein Auge darüber hinweggeglitten, ohne zu beachten, was es eigentlich sei,  heute  sah  er  es  und  sagte:  "Minerva  mit  Schild  und  Speer.  Aber  Speer  bei  Fuß.  Vielleicht bedeutet es Ruhe … Wär’ es so." Und dann stand er auf, schloß das um seinen besten Schatz ärmer gewordene Geheimfach und ging wieder nach vorn. Unterwegs, auf dem ebenso schmalen wie langen Korridore, traf er Köchin und Hausmädchen, die diesen Augenblick erst von einem Tiergartenspaziergange zurückkamen. Als er beide verlegen und ängstlich dastehen sah, überkam ihn ein menschlich Rühren, aber er bezwang sich und rief sich zu,  wenn  auch  freilich  mit  einem  Anfluge  von  Ironie,  daß  endlich  einmal  ein  Exempel  statuiert werden müsse. So begann er denn, so gut er konnte, die Rolle des donnernden Zeus  zu spielen. Wo sie nur gesteckt hätten? Ob das Ordnung und gute Sitte sei? Er habe nicht Lust, der gnädigen Frau, wenn sie zurückkomme (vielleicht heute schon), einen aus Rand und Band gegangenen Hausstan d zu  überliefern.  Und  der  Bursche?  "Nun,  ich  will  nichts  wissen,  nichts  hören,  am  wenigsten Entschuldigungen." Und als dies heraus war, ging er weiter und lächelte, zumeist über sich selbst. "Wie leicht ist doch predigen, und wie schwer ist danach handeln und tun. Armer Kanzelheld ich! Bin ich nicht selbst aus Rand und Band? Bin ich nicht selber aus Ordnung und guter Sitte? Daß es war, das möchte gehn, aber daß es noch ist, das ist das Schlimme." Dabei nahm er wieder seinen Platz auf dem Balkon und klingelte. Jetzt kam auch der Bursche, fast noch ängstlicher und verlegener als die Mädchen, aber es hatte keine Not mehr, das Wetter war vorüber.  "Sage  der  Köchin,  daß  ich  etwas  essen  will.  Nun,  warum  stehst  du noch? Ah, ich sehe schon" – und er lachte –, "nichts im Hause. Trifft sich alles vorzüglich … – Also Tee; bringe mir Tee, der wird doch wohl da sein. Und laß ein paar Schnitten machen; alle Wetter, ich habe Hunger … Und sind die Abendzeitungen schon da?" "Zu Befehl, Herr Rittmeister." Nicht lange, so war der Teetisch draußen auf  dem Balkon serviert, und selbst ein Imbiß hatte sich gefunden. Botho saß zurückgelehnt in den Schaukelstuhl und starrte nachdenklich in die kleine blaue Flamme. Dann nahm er zunächst den Moniteur seiner kleinen Frau, das "Fremdenblatt", und erst in weiterer Folge die "Kreuzzeitung" zur Hand und sah auf die letzte Seite. "Gott, wie wird Käthe sich freuen, diese letzte Seite jeden Tag wieder frisch an der Quelle studieren zu können, will sagen zwölf Stunden früher als in Schlangenbad. Und hat sie nicht recht? ›Unsere heut vollzogene eheliche Verbindung beehren sich anzuzeigen Adalbert von Lichterloh, Reg ierungsreferendar und Lieutenant der Reserve, Hildegard von Lichterloh, geb. Holtze.‹ Wundervoll. Und wahrhaftig, so zu sehn, wie sich’s weiter lebt und liebt in der Welt, ist eigentlich das Beste. Hochzeit und Kindtaufen! Und ein paar Todesfälle dazwischen. Nun, die braucht man ja nicht zu lesen, Käthe tut es nicht, und ich tu’ es auch nicht, und bloß wenn die Vandalen mal einen ihrer ›alten Herrn‹ verloren haben und ich das Korpszeichen inmitten der Trauerannonce sehe, das les’ ich, das erheitert mich und ist mir immer,  als  ob  der  alte  Korpskämpe  zu  Hofbräu  nach  Walhalla  geladen  wäre.  Spatenbräu  paßt eigentlich noch besser." Er legte das Blatt wieder beiseit, weil es klingelte. "Sollte sie wirklich …" Nein, es war nichts, bloß  eine  vom  Wirt  heraufgeschickte  Suppenliste,  drauf  erst  fünfzig  Pfennig  gezeichnet  standen. Aber den ganzen Abend über blieb er trotzdem in Aufregung, weil ihm beständig die Möglichkeit einer  Überraschung  vorschwebte,  und  sooft  er  eine  Droschke  mit  einem  Koffer  vorn  und  einem Damenreisehute  dahinter  in  die  Landgrafenstraße  einbiegen  sah,  rief  er  sich  zu:  "Das  ist  sie;  sie liebt dergleichen, und ich höre sie schon sagen: ›Ich dacht’ es  mir so komisch, Botho.‹" 80
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>| 

Back to the topic sites:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/F/Fontane

External Links to this site are permitted without prior consent.
   
  Home  |  deutsch  |  Set bookmark  |  Send a friend a link  |  Impressum