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Irrungen Wirrungen

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Treptow  her  das  Dampfschiff  auf  uns  zukam,  und  wie  Sie  sich  denken  können,  liebe  Frau  Dörr, waren  wir  auf  den  Tod  erschrocken  und  riefen  in  unserer  Angst  Rudolfen  zu,  daß  er  uns heraussteuern  solle.  Der  Junge  war  aber  aus  Rand  und  Band  und  steuerte  bloß  so,  daß  wir  uns beständig im Kreise drehten. Und nun schrien wir und wären sicherlich überfahren worden, wenn nicht  in  eben  diesem  Augenblicke  das  andre  Boot  mit  den  zwei  Herren  sich  unsrer  Not  erbarmt hätte. Mit ein paar Schlägen war es neben uns, und während der eine mit einem Bootshaken uns fest und  scharf  heranzog  und  an  das  eigne  Boot  ankoppelte,  ruderte  der  andre  sich  und  uns  aus  dem Strudel  heraus,  und  nur  einmal  war  es  noch,  als  ob  die  große,  vom  Dampfschiff  her  auf  uns zukommende Welle uns umwerfen wolle. Der Kapitän drohte denn auch wirklich mit dem Finger (ich sah es inmitten all meiner Angst), aber auch das ging vorüber, und eine Minute später waren wir bis an Stralau heran, und die beiden Herren, denen wir unsre Rettung verdankten, sprangen ans Ufer und reichten uns die Hand und waren uns als richtige Kavaliere beim Aussteigen behülflich. Und da standen wir denn nun auf der Landungsbrücke bei Tübbeckes und waren sehr verlegen, und Lina   weinte   jämmerlich   vor   sich   hin,   und   bloß   Rudolf,   der   überhaupt   ein   störrischer   und großmäuliger Bengel is und immer gegen’s Militär, bloß Rudolf sah ganz bockig vor sich hin, als ob er sagen wollte: ›Dummes Zeug, ich hätt’ euch auch rausgesteuert.‹" "Ja, so is er, ein großmäuliger Bengel; ich kenn’ ihn. Aber nu die beiden Herren. Das ist doch die Hauptsache …" "Nun  die  bemühten  sich  erst  noch  um  uns  und  blieben  dann  an  dem  andren  Tisch  und  sahen immer zu uns rüber. Und als wir so gegen sieben, und es schummerte schon, nach Hause wollten, kam  der  eine  und  fragte,  ob  er  und  sein  Kamerad  uns  ihre  Begleitung  anbieten  dürften?  Und  da lacht’  ich  übermütig  und  sagte,  sie  hätten  uns  ja  gerettet,  und  einem  Retter  dürfe  man  nichts abschlagen.  Übrigens  sollten  sie  sich’s  noch  mal  überlegen,  denn  wir  wohnten  so  gut  wie  am andern  Ende  der  Welt.  Und  sei  eigentlich  eine  Reise.  Worauf  er  verbindlich  antwortete:  Desto besser. Und mittlerweile war auch der andre herangekommen … Ach, liebe Frau Dörr, es mag wohl nicht recht gewesen sein, gleich so freiweg zu sprechen, aber der eine gefiel mir, und sich zieren und zimperlich tun, das hab’ ich nie gekonnt. Und so gingen wir denn den weiten Weg, erst an der Spree und dann an dem Kanal hin." "Und Rudolf?" "Der ging hinterher, als ob er gar nicht zugehöre, sah aber alles und paßte gut auf. Was auch recht war; denn die Lina is ja erst achtzehn und noch ein gutes, unschuldiges Kind!" "Meinst du?" "Gewiß, Frau Dörr. Sie brauchen sie ja bloß anzusehn. So was  sieht man gleich." "Ja, mehrstens. Aber mitunter auch nich. Und da haben sie euch denn nach Hause gebracht?" "Ja, Frau Dörr." "Und nachher?" "Ja, nachher. Nun Sie wissen ja, wie’s nachher kam. Er kam dann den andern Tag und fragte nach. Und seitdem ist er oft gekommen, und ich freue mich immer, wenn er kommt. Gott, man freut sich doch, wenn man mal was erlebt. Es ist oft so einsam hier draußen. Und Sie wissen ja, Frau Dörr, Mutter hat nichts dagegen und sagt immer: ›Kind, es schad’t nichts. Eh man sich’s versieht, is man alt.‹" "Ja, ja", sagte die Dörr, "so was hab’ ich die Nimptschen auch schon sagen hören. Und hat auch ganz recht. Das heißt, wie man’s nehmen will, und nach’m Katechismus is doch eigentlich immer noch besser und sozusagen überhaupt das Beste. Das kannst du mir schon glauben. Aber ich weiß woll, es geht nich immer, und mancher will auch nich. Und wenn einer nich will, na, denn will er nich,  un  denn  muß  es  auch  so  gehn  und  geht  auch  mehrstens,  man  bloß,  daß  man  ehrlich  is  un anständig und Wort hält. Un natürlich, was denn kommt, das muß man aushalten un darf sich nicht wundern. Un wenn man all so was weiß und sich immer wieder zu Gemüte führt, na, denn is es nich so schlimm. Un schlimm is eigentlich man bloß das Einbilden." "Ach, liebe Frau Dörr", lachte Lene, "was Sie nur denken. Einbilden! Ich bilde mir gar nichts ein. Wenn ich einen liebe, dann lieb’ ich ihn. Und das ist mir genug. Und will weiter gar nichts von 8
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB: Mit Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz, BeurkundungsG, BGB-Informationspflichten-Verordnung, Einführungsgesetz, ... und Wohnungseigentumsgesetz
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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