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Irrungen Wirrungen

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EINUNDZWANZIGSTES KAPITEL Rienäcker, als er wieder allein war, war von dieser Begegnung und vor allem von dem, was er zuletzt   gehört,   wie   benommen.   Wenn   er   sich,   in   der   zwischenliegenden   Zeit,   des   kleinen Gärtnerhauses und seiner Insassen erinnert hatte, so hatte sich ihm selbstverständlich alles so vor die Seele gestellt, wie’s einst gewesen war, und nun war alles anders, und er hatte sich in einer ganz neuen Welt zurechtzufinden: In dem Häuschen wohnten Fremde, wenn es überhaupt noch bewohnt war, auf dem Herde brannte kein Feuer mehr, wenigstens nicht tagaus, tagein, und Frau Nimptsch, die das Feuer gehütet hatte, war tot und lag draußen auf dem Jakobikirchhof. Alles das ging in ihm um,  und  mit  einem  Male  stand  auch  der  Tag  wieder  vor  ihm,  an  dem  er  der  alten  Frau,  halb humoristisch, halb feierlich, versprochen hatte, ihr einen Immortellenkranz aufs Grab zu legen. In der Unruhe, darin er sich befand, war es ihm schon eine Freude, daß ihm das Versprechen wieder einfiel, und so beschloß er denn die damalige Zusage sofort wahr zu machen. "Rollkrug und Mittag und pralle Sonne – die reine Reise nach Mittelafrika. Aber die gute A lte soll ihren Kranz haben." Und gleich danach nahm er Degen und Mütze und machte sich auf den Weg. An  der  Ecke  war  ein  Droschkenstand,  freilich  nur  ein  kleiner,  und  so  kam  es,  daß  trotz  der Inschrifttafel "Halteplatz für drei Droschken" immer nur der Platz und höchst selten eine Droschke da war. So war es auch heute wieder, was mit Rücksicht auf die Mittagsstunde (wo die Droschken überall, als ob die Erde sie verschlänge, zu verschwinden pflegen) an diesem ohnehin nur auf ein Pflichtteil gesetzten Halteplatz kaum überraschen konnte. Botho ging also weiter, bis ihm, in Nähe der  Van-der-Heydt-Brücke,  ein  ziemlich  klappriges  Gefährt  entgegenkam,  hellgrün  mit  rotem Plüschsitz und einem Schimmel davor. Der Schimmel schlich nur so hin, und Rienäcker konnte sich angesichts   der   "Tour",   die   dem   armen   Tiere   bevorstand,   eines   wehmütigen   Lächelns   nicht erwehren. Aber so weit er auch das Auge schicken mochte, nichts Besseres war in Sicht, und so trat er denn an den Kutscher heran und sagte: "Nach dem Rollkrug. Jakobikirchhof." "Zu Befehl, Herr Baron." "… aber unterwegs müssen wir halten. Ich will nämlich noch einen Kranz kaufen." "Zu Befehl, Herr Baron." Botho war einigermaßen verwundert über die mit so viel Promptheit wiederkehrende Titulatur und sagte deshalb: "Kennen Sie mich?" "Zu Befehl, Herr Baron. Baron Rienäcker, Landgrafenstraße. Dicht bei’n Halteplatz. Hab’ Ihne n schon öfter gefahren." Bei   diesem   Gespräche   war   Botho   eingestiegen,   gewillt,   sich’s   in   der   Plüschecke   nach Möglichkeit bequem zu machen, er gab es aber bald wieder auf, denn die Ecke war heiß wie ein Ofen. Rienäcker  hatte  den  hübschen  und  herzerquickenden  Zug  aller  märkischen  Edelleute,  mit Personen aus dem Volke gern zu plaudern, lieber als mit "Gebildeten", und begann denn auch ohne weiteres, während sie im Halbschatten der jungen Kanalbäume dahinfuhren: "Is das eine Hitze! Ihr Schimmel wird sich auch nicht gefreut haben, wenn er ›Rollkrug‹ gehört  hat." "Na, Rollkrug geht noch; Rollkrug geht noch von wegen der Heide. Wenn er da durchkommt un die Fichten riecht, freut er sich immer. Er is nämlich von’s Land … Oder vielleicht is es auch die Musike. Wenigstens spitzt er immer die Ohren." "So, so", sagte Botho. "Bloß nach tanzen sieht er mir nicht aus … Aber wo werden wir denn den Kranz kaufen? Ich möchte nicht gern ohne Kranz auf den Kirchhof kommen." "O damit is noch Zeit, Herr Baron. Wenn erst die Kirchhofsgegend kommt, von’s Hallsche Tor an un die ganze Pionierstraße runter." "Ja, ja, Sie haben recht; ich entsinne mich …" "Un nachher, bis dicht an den Kirchhof ran, hat’s ihrer auch noch. " Botho lächelte. "Sie sind wohl ein Schlesier?" 74
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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