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Irrungen Wirrungen

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SIEBZEHNTES KAPITEL Drittehalb Jahre waren seit jener Begegnung vergangen, während welcher Zeit sich manches in unserem Bekannten- und Freundeskreise verändert hatte, nur nicht in dem in der Landgrafenstraße. Hier  herrschte  dieselbe  gute  Laune  weiter,  der  Frohmut  der  Flitterwochen  war  geblieben,  und Käthe lachte nach wie vor. Was andere junge Frauen vielleicht betrübt hätte: daß das Paar einfach ein Paar blieb, wurde von Käthe keinen Augenblick schmerzlich empfunden. Sie lebte so gern und fand  an  Putz  und  Plaudern,  an  Reiten  und  Fahren  ein  so  volles  Genüge,  daß  sie  vor  einer Veränderung  ihrer  Häuslichkeit  eher  erschrak,  als  sie  herbeiwünschte.  Der  Sinn  für  Familie, geschweige die Sehnsucht danach, war ihr noch nicht aufgegangen, und als die Mama brieflich eine Bemerkung über diese Dinge machte, schrieb Käthe ziemlich ketzerisch zurück: "Sorge Dich nicht, Mama. Bothos Bruder hat sich ja nun ebenfalls verlobt, in einem halben Jahr ist Hochzeit, und ich überlass’  es  gern  meiner  zukünftigen  Schwägerin,  sich  die  Fortdauer  des  Hauses  Rienä cker angelegen sein zu lassen." Botho  sah  es  anders  an,  aber  auch  sein  Glück  wurde  durch  das,  was  fehlte,  nicht  sonderlich getrübt,  und  wenn  ihn  trotzdem  von  Zeit  zu  Zeit  eine  Mißstimmung  anwandelte,  so  war  es,  wie schon  damals  auf  seiner  Dresdener  Hochzeitsreise,  vorwiegend  darüber,  daß  mit  Käthe  wohl  ein leidlich  vernünftiges,  aber  durchaus  kein  ernstes  Wort  zu  reden  war.  Sie  war  unterhaltlich  und konnte sich mitunter bis zu glücklichen Einfällen steigern, aber auch das Beste, was sie sagte, war oberflächlich  und  "spielrig",  als  ob  sie  der  Fähigkeit  entbehrt  hätte,  zwischen  wichtigen  und unwichtigen Dingen zu unterscheiden. Und was das Schlimmste war, sie betrachtete das alles als einen Vorzug, wußte sich was damit und dachte nicht daran, es abzulegen. "Aber, Käthe, Käthe", rief  Botho  dann  wohl  und  ließ  in  diesem  Zuruf  etwas  von  Mißbilligung  mit  durchklingen,  ihr glückliches Naturell aber wußt’ ihn immer wieder zu entwaffnen, ja, so sehr, daß er sich mit dem Anspruch, den er erhob, fast pedantisch vorkam. Lene  mit  ihrer  Einfachheit,  Wahrheit  und  Unredensartlichkeit  stand  ihm  öfters  vor  der  Seele, schwand aber ebenso rasch wieder hin, und nur wenn Zufälligkeiten einen ganz bestimmten Vorfall in  aller  Lebendigkeit  wieder  in  ihm  wachriefen,  kam  ihm  mit  dieser  größeren  Lebendigkeit  des Bildes auch wohl ein stärkeres Gefühl und mitunter selbst eine Verlegenheit. Eine solche Zufälligkeit ereignete sich gleich im ersten Sommer, als das junge Paar, von einem Diner  bei  Graf  Alten  zurückgekehrt,  auf  dem  Balkon  saß  und  seinen  Tee  nahm.  Käthe  lag zurückgelehnt   in   ihrem   Stuhl   und   ließ   sich   aus   der   Zeitung   einen   mit   Zahlenangaben reichgespickten  Artikel  über  Pfarr-  und  Stolgebühren  vorlesen.  Eigentlich  verstand  sie  wenig davon, um so weniger, als die vielen Zahlen sie störten, aber sie hörte doch ziemlich aufmerksam zu,   weil   alle   märkischen   Frölens   ihre   halbe   Jugend   "bei   Predigers"   zubringen   und   so   den Pfarrhausinteressen  ihre  Teilnahme  bewahren.  So  war  es  auch  heut’.  Endlich  brach  der  Abend herein, und im selben Augenblicke, wo’s dunkelte, begann drüben im "Zoologischen" das Konzert, und ein entzückender Straußscher Walzer klang herüber. "Höre  nur,  Botho",  sagte  Käthe,  sich  aufrichtend,  während  sie  voll  Übermut  hinzusetzte: "Komm, laß uns tanzen." Und ohne seine Zustimmung abzuwarten, zog sie ihn aus seinem Stuhl in die Höh’ und walzte mit ihm in das große Balkonzimmer hinein und in diesem noch ein paarmal herum.  Dann  gab  sie  ihm  einen  Kuß  und  sagte,  während  sie  sich  an  ihn  schmiegte:  "Weißt  du, Botho, so wundervoll hab’ ich noch nie getanzt, auch nicht auf meinem ersten Ball, den ich noch bei der Zülow mitmachte, ja, daß ich’s nur gestehe, noch eh ich eingesegnet war. Onkel Osten nahm mich auf seine Verantwortung mit, und die Mama weiß es bis diesen Tag nicht. Aber selbst da war es nicht so schön wie heut’. Und doch ist verbotene Frucht die schönste. Nicht wahr? Aber du sagst ja nichts, du bist ja verlegen, Botho. Sieh, so ertapp’ ich dich mal wieder." Er  wollte,  so  gut  es  ging,  etwas  sagen,  aber  sie  ließ  ihn  nicht  dazu  kommen.  "Ich  glaube wirklich,  Botho,  meine  Schwester  Ine  hat  es  dir  angetan,  und  du  darfst  mich  nicht  damit  trösten 59
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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