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Irrungen Wirrungen

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SECHZEHNTES KAPITEL Mitte    September    hatte    die    Verheiratung    auf    dem    Sellenthinschen    Gute    Rothenmoor stattgefunden,  Onkel  Osten,  sonst  kein  Redner,  hatte  das  Brautpaar  in  dem  zweifellos  längsten Toaste seines Lebens leben lassen, und am Tage darauf hatte die Kreuzzeitung unter ihren sonstigen Familienanzeigen  auch  die  folgende  gebracht:  "Ihre  am  gestrigen  Tage  stattgehabte  eheliche Verbindung  zeigen  hierdurch  ergebenst  an  Botho  Freiherr  von  Rienäcker,  Premierlieutenant  im Kaiser-Kürassier-Regiment, Käthe Freifrau von Rienäcker, geb. von Sellenthin." Die Kreuzzeitung war   begreiflicherweise   nicht   das   Blatt,   das   in   die   Dörrsche   Gärtnerwohnung   samt   ihren Dependenzien  kam,  aber  schon  am  andern  Morgen  traf  ein  an  Fräulein  Magdalene  Nimptsch adressierter  Brief  ein,  in  dem  nichts  lag  als  der  Zeitungsausschnitt  mit  der  Vermählungsanzeige. Lene fuhr zusammen, sammelte sich aber rascher, als der Absender, aller Wahrscheinlichkeit nach eine neidische Kollegin, erwartet haben mochte. Daß es von solcher Seite her kam, war schon aus dem beigefügten "Hochwohlgeboren" zu schließen. Aber gerade dieser Extraschabernack, der den schmerzhaften  Stich  verdoppeln  sollte,  kam  Lenen  zustatten  und  verminderte  das  bittere  Gefühl, das ihr diese Nachricht sonst wohl verursacht hätte. Botho   und   Käthe   von   Rienäcker   waren   noch   am  Hochzeitstage  selbst  nach  Dresden  hin aufgebrochen,   nachdem   beide   der   Verlockung   einer   neumärkischen   Vetternreise   glücklich widerstanden hatten. Und wahrlich, sie hatten nicht Ursache, ihre Wahl zu bereuen, am wenigsten Botho, der sich jeden Tag nicht nur zu dem Dresdener Aufenthalte, sondern vielmehr noch zu dem Besitze  seiner  jungen  Frau  beglückwünschte,  die  Capricen  und  üble  Laune  gar  nicht  zu  kennen schien. Wirklich, sie lachte den ganzen Tag über, und so leuchtend und hellblond sie war, so war auch ihr Wesen. An allem ergötzte sie sich, und allem gewann sie die heitre Seite ab. In dem von ihnen   bewohnten   Hotel   war   ein   Kellner   mit   einem   Toupet,   das   einem   eben   umkippenden Wellenkamme glich, und dieser Kellner samt seiner Frisur war ihre tagtägliche Freude, so sehr, daß sie,  wiewohl  sonst  ohne  besonderen  Esprit,  sich  in  Bildern  und  Vergleichen  gar  nicht  genug  tun konnte.  Botho  freute  sich  mit  und  lachte  herzlich,  bis  sich  mit  einem  Male  doch  etwas  von Bedenken und selbst von Unbehagen in sein Lachen einzumischen begann. Er nahm nämlich wahr, daß  sie,  was  auch  geschehen  oder  ihr  zu  Gesicht  kommen  mochte,  lediglich  am  Kleinen  und Komischen hing, und als beide nach etwa vierzehntägigem glücklichen Aufenthalt ihre Heimreise nach  Berlin  antraten,  ereignete  sich’s,  daß  ein  kurzes,  gleich  zu  Beginn  der  Fahrt  geführtes Gespräch ihm über diese Charakterseite seiner Frau volle Gewißheit gab. Sie hatten ein Kupee für sich, und als sie, von der Elbbrücke her, noch einmal zurückblickten, um nach Altstadt-Dresden und der Kuppel der Frauenkirche hinüberzugrüßen, sagte Botho, während er ihre Hand nahm: "Und nun sage mir, Käthe, was war eigentlich das Hübscheste hier in Dresden?" "Rate." "Ja,  das  ist  schwer,  denn  du  hast  so  deinen  eignen  Geschmack,  und  mit  Kirchengesang  und Holbeinscher Madonna darf ich dir gar nicht kommen …" "Nein. Da hast du recht. Und ich will meinen gestrengen Herrn auch nicht lange warten und sich quälen  lassen.  Es  war  dreierlei,  was  mich  entzückte:  voran  die  Konditorei  am  Altmarkt  und  der Scheffelgassen-Ecke mit den wundervollen Pastetchen und dem Likör. Da so zu sitzen …" "Aber, Käthe, man konnte ja gar nicht sitzen, man konnte kaum stehn, und war eigentlich, als ob man sich jeden Bissen erobern müsse." "Das war es eben. Eben deshalb, mein Bester. Alles, was man sich erobern muß …" Und sie wandte sich ab und spielte neckisch die Schmollende, bis er ihr einen herzlichen Kuß gab. "Ich sehe", lachte sie, "du bist schließlich einverstanden, und zur Belohnung höre nun auch das zweite und dritte. Mein zweites war das Sommertheater draußen, wo wir ›Monsieur Herkules‹ sahn und  Knaak  den  Tannhäusermarsch  auf  einem  klapprigen  alten  Whisttisch  trommelte.  So  was 55
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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