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Irrungen Wirrungen

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Bucht wurde Hafen, Stapelplatz, ›Ablage‹ für alles, was kam und ging, und weil der Fischer, der damals hier wohnte, beiläufig mein Ahnherr, Hankel hieß, so hatten wir eine ›Hankels Ablage‹."   "Schade", sagte Botho, "daß man’ s nicht jedem so rund und nett erklären kann", und der Wirt, der sich hierdurch  ermutigt fühlen  mochte, wollte fortfahren. Eh´ er aber beginnen konnte, hörte man einen Vogelschrei hoch oben in den Lüften,  und als Botho neugierig  hinaufsah, sah er, daß zwei mächtige Vögel, kaum noch erkennbar, im Halbdunkel über der Wasserfläche hinschwebten. "Waren das wilde Gänse?" "Nein,  Reiher.  Die  ganze  Forst  hier  herum  ist  Reiherforst.  Überhaupt  ein  rechter  Jagdgrund, Schwarzwild  und  Damwild  in  Massen,  und  in  dem  Schilf  und  Rohr  hier  Enten,  Schnepfen  und Bekassinen." "Entzückend", sagte Botho, in dem sich der Jäger regte. "Wissen Sie, daß ich Sie beneide. Was tut schließlich der Name? Enten, Schnepfen, Bekassinen. Es überkommt einen eine Lust, daß man’s auch so gut haben möchte. Nur einsam muß es hier sein, zu einsam." Der Wirt lächelte vor sich hin, und Botho, dem es nicht entging, wurde neugierig und sagte: "Sie lächeln. Aber ist es nicht so? Seit einer halben Stunde hör’ ich nichts als das Wasser, das da unter dem Steg hingluckst, und in diesem Augenblick oben den Reiherschrei. Das nenn’ ich einsam, so hübsch es ist. Und dann und wann ziehn ein paar große Spreekähne vorüber, aber alle sind einander gleich oder sehen sich wenigstens ähnlich. Und eigentlich ist jeder wie ein Gespensterschiff. Eine wahre Totenstille." "Gewiß", sagte der Wirt. "Aber doch alles nur, solang es dauert." "Wie das?" "Ja", wiederholte der Gefragte, "solang es dauert. Sie sprechen von Einsamkeit, Herr Baron, und tagelang ist es auch wirklich einsam hier. Und es können auch Wochen werden. Aber kaum, daß das Eis bricht und das Frühjahr kommt, so kommt auch schon Besuch, und der Berliner ist da." "Wann kommt er?" "Unglaublich  früh.  Oculi,  da  kommen  sie.  Sehen  Sie,  Herr  Baron,  wenn  ich,  der  ich  doch ausgewettert   bin,   immer   noch   drin   in   der   Stube   bleibe,   weil   der   Ostwind   pustet   und   die Märzensonne sticht, setzt sich der Berliner schon ins Freie, legt seinen Sommerüberzieher über den Stuhl und bestellt eine Weiße. Denn sowie nur die Sonne scheint, spricht der Berliner von schönem Wetter. Ob in jedem Windzug eine Lungenentzündung oder Diphtheritis sitzt, ist ihm egal. Er spielt dann  am  liebsten  mit  Reifen,  einige  sind  auch  für  Boccia,  und  wenn  sie  dann  abfahren,  ganz gedunsen von der Prallsonne, dann tut mir mitunter  das Herz weh, denn keiner ist darunter, dem nicht wenigstens am andern Tage die Haut abschülbert." Botho lachte. "Ja, die Berliner! Wobei mir übrigens einfällt, Ihre Spree hier herum muß ja auch die Gegend sein, wo die Ruderer und Segler zusammenkommen und ihre Regatten haben." "Gewiß",  sagte  der  Wirt.  "Aber  das  will  nicht  viel  sagen.  Wenn’s  viele  sind,  dann  sind  es fünfzig oder vielleicht auch mal hundert. Und dann ruht es wieder und ist auf Wochen und Monate hin mit dem ganzen Wassersport vorbei. Nein, die Klubleute, das ist vergleichsweise bequem, das ist zum Aushalten. Aber wenn dann im Juni die Dampfschiffe kommen, dann ist es schlimm. Und dann bleibt es so den ganzen Sommer über oder doch eine lange, lange Weile." "Glaub’s", sagte Botho. "… dann trifft jeden Abend ein Telegramm ein. ›Morgen früh neun Uhr Ankunft Spreedampfer Alsen.   Tagespartie.   Zweihundertvierzig   Personen.‹   Und   dann   folgen   die   Namen   derer,   die’s arrangiert  haben.  Einmal  geht  das.  Aber  die  Länge  hat  die  Qual.  Denn  wie  verläuft  eine  solche Partie? Bis Dunkelwerden sind sie draußen in Wald und Wiese, dann aber kommt das Abendbrot, und  dann  tanzen  sie  bis  um  elf.  Nun  werden  Sie  sagen:  ›Das  ist  nichts  Großes‹,  und  wär’  auch nichts Großes, wenn der andre Tag ein Ruhetag wär’. Aber der zweite Tag ist wie der erste, und der dritte ist wie der zweite. Jeden Abend um elf dampft ein Dampfer mit zweihundertvierzig Personen ab,  und  jeden  Morgen  um  neun  ist  ein  Dampfer  mit  ebenso  viel  Personen  wieder  da.  Und inzwischen muß doch aufgeräumt und alles wieder klar gemacht werden. Und so vergeht die Nacht mit Lüften, Putzen und Scheuern, und wenn die letzte Klinke wieder blank ist, ist auch das nächste Schiff  schon  wieder  heran.  Natürlich  hat  alles  auch  sein  Gutes,  und  wenn  man  um  Mitternacht 39
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB: Mit Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz, BeurkundungsG, BGB-Informationspflichten-Verordnung, Einführungsgesetz, ... und Wohnungseigentumsgesetz
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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