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Irrungen Wirrungen

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"Sieh, Lene", sagte Frau Dörr, "weißt du denn, daß sie jetzt Betten damit stopfen, ganz wie mit Federn? Und sie nennen es Waldwolle." "Ja, ich weiß, Frau Dörr. Und ich freue mich immer, wenn die Leute so was ausfinden und sich zunutze machen. Aber für Sie wär’ es nichts." "Nein, Lene, für mich wär’ es nich. Da hast du recht. Ich bin so mehr fürs Feste, für Pferdehaar und Sprungfedern, und wenn es denn so wuppt …" "O ja", sagte Lene, der diese Beschreibung etwas ängstlich zu werden anfing. "Ich fürchte bloß, daß wir Regen kriegen. Hören Sie nur die Frösche, Frau Dörr. " "Ja, die Poggen", bestätigte diese. "Nachts ist es mitunter ein Gequake, daß man nicht schlafen kann. Und woher kommt es? Weil hier alles Sumpf is und bloß so tut, als ob es Wiese wäre. Sieh doch den Tümpel an, wo der Storch steht und kuckt gerade hierher. Na, nach mir sieht er nich. Da könnt’ er lange sehn. Und is auch recht gut so." "Wir müssen am Ende doch wohl umkehren", sagte Lene verlegen, und eigentlich nur, um etwas zu sagen. "I bewahre", lachte Frau Dörr. "Nun erst recht nich, Lene; du wirst dich doch nich graulen und noch  dazu  vor  so  was.  Adebar,  du  Guter,  bring  mir  …  Oder  soll  ich  lieber  singen:  Adebar,  du Bester?" So  ging  es  noch  eine  Weile  weiter,  denn  Frau  Dörr  brauchte  Zeit,  um  von  einem  solchen Lieblingsthema wieder loszukommen. Endlich aber war doch eine Pause da, während welcher man in langsamem Tempo weiterschritt, bis man zuletzt an einen Höhenrücken kam, der sich hier plateauartig von der Spree nach der Havel hinüberzieht. An eben dieser Stelle hörten auch die Wiesen auf, und Korn- und Rapsfelder fingen an, die sich bis an die vorderste Häuserreihe von Wilmersdorf zogen. "Nun bloß da noch rauf", sagte Frau Dörr, "und dann setzen wir uns und pflücken Butterblumen und  flechten  uns  einen  Stengelkranz.  Jott,  das  macht  immer  so  viel  Spaß,  wenn  man  den  einen Stengel in den andern piekt, bis der Kranz fertig is oder die Kette."   "Wohl, wohl", sagte Lene, der es heute beschieden war, aus kleinen Verlegenheiten gar nicht herauszukommen. "Wohl, wohl. Aber nun kommen Sie, Frau Dörr; hier geht der Weg." Und so sprechend, stiegen sie den niedrigen Abhang hinauf und setzten sich, oben angekommen, auf einen hier seit letztem Herbst schon aus Peden und Nesseln zusammengekarrten Unkrauthaufen. Dieser Pedenhaufen war ein prächtiger Ruheplatz, zugleich auch ein Aussichtspunkt, von dem aus man über einen von Werft und Weiden eingefaßten Graben hin nicht nur die nördliche Häuserreihe von  Wilmersdorf  überblicken,  sondern  auch  von  einer  benachbarten  Kegelbahntabagie  her  das Fallen  der  Kegel  und  vor  allem  das  Zurückrollen  der  Kugel  auf  zwei  klapprigen  Latten  in  aller Deutlichkeit hören konnte. Lene vergnügte sich über die Maßen darüber, nahm Bothos Hand und sagte: "Sieh, Botho, ich weiß so gut Bescheid damit (denn als Kind wohnten wir auch neben einer solchen Tabagie), daß ich, wenn ich die Kugel bloß aufsetzen höre, gleich weiß, wieviel sie machen wird." "Nun", sagte Botho, "da können wir ja wetten." "Und um was?" "Das findet sich." "Gut. Aber ich brauch’ es nur dreimal zu treffen, und wenn ich schweige, so zählt es nicht." "Bin es zufrieden." Und  nun  horchten  alle  drei  hinüber,  und  die  mit  jedem  Moment  erregter  werdende  Frau  Dörr verschwor sich hoch und teuer, ihr puppre das Herz, und ihr sei geradeso, wie wenn sie vor einem Theatervorhang sitze. "Lene, Lene, du hast dir zu viel zugetraut, Kind, das is ja gar nich möglich." So  wär’  es  wohl  noch  weitergegangen,  wenn  man  nicht  in  eben  diesem  Augenblicke  gehört hätte,  daß  eine  Kugel  aufgesetzt  und  nach  einmaligem  dumpfen  Anschlag  an  die  Seitenbande wieder still wurde. "Sandhase", rief Lene. Und richtig, so war es.   "Das  war  leicht",  sagte  Botho.  "Zu  leicht.  Das  hätt’  ich  auch  geraten.  Sehen  wir  also,  was kommt." 29
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB: Mit Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz, BeurkundungsG, BGB-Informationspflichten-Verordnung, Einführungsgesetz, ... und Wohnungseigentumsgesetz
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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