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Irrungen Wirrungen

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SECHSTES KAPITEL Es   war   die   Woche   darnach,   und   die   Kastanien   hatten   bereits   abgeblüht;   auch   in   der Bellevuestraße.  Hier  hatte  Baron  Botho  von  Rienäcker  eine  zwischen  einem  Front-  und  einem Gartenbalkon gelegene Parterrewohnung inne: Arbeitszimmer, Eßzimmer, Schlafzimmer, die sich sämtlich  durch  eine  geschmackvolle,  seine  Mittel  ziemlich  erheblich  übersteigende  Einrichtung auszeichneten.  In  dem  Eßzimmer  befanden  sich  zwei  Hertelsche  Stilleben  und  dazwischen  eine Bärenhatz,   wertvolle   Kopie   nach   Rubens,   während   in   dem   Arbeitszimmer   ein   Andreas Achenbachscher Seesturm, umgeben von einigen kleineren Bildern desselben Meisters, paradierte. Der  Seesturm  war  ihm  bei  Gelegenheit  einer  Verlosung  zugefallen,  und  an  diesem  schönen  und wertvollen  Besitze  hatte  er  sich  zum  Kunstkenner  und  speziell  zum  Achenbach-Enthusiasten herangebildet. Er scherzte gern darüber und pflegte zu versichern, daß ihm sein Lotterieglück, weil es ihn zu beständig neuen Ankäufen verführt habe, teuer zu stehn gekommen sei, hinzusetzend, daß es vielleicht mit jedem Glücke dasselbe sei. Vor  dem  Sofa,  dessen  Plüsch  mit  einem  persischen  Teppich  überdeckt  war,  stand  auf  einem Malachittischchen  das  Kaffeegeschirr,  während  auf  dem  Sofa  selbst  allerlei  politische  Zeitungen umherlagen, unter ihnen auch solche, deren Vorkommen an dieser Stelle ziemlich verwunderlich war und nur aus dem Baron Bothoschen Lieblingssatze, Schnack gehe vor Politik, erklärt werden konnte.  Geschichten,  die  den  Stempel  der  Erfindung  an  der  Stirn  trugen,  sogenannte  "Perlen", amüsierten ihn am meisten. Ein Kanarienvogel, dessen Bauer während der Frühstückszeit allemal offen stand, flog auch heute wieder auf Hand und  Schulter seines ihn nur zu sehr verwöhnenden Herrn, der, anstatt ungeduldig zu werden, das Blatt jedesmal beiseite tat, um den kleinen Liebling zu streicheln. Unterließ er es aber, so drängte sich das Tierchen an Hals und Bart des Lesenden und piepte so lang und eigensinnig, bis ihm der Wille  getan war. "Alle Lieblinge sind gleich", sagte Baron Rienäcker, "und fordern Gehorsam und Unterwerfung." In  diesem  Augenblicke  ging  die  Korridorklingel,  und  der  Diener  trat  ein,  um  die  draußen abgegebenen  Briefe  zu  bringen.  Der  eine,  graues  Kuvert  in  Quadrat,  war  offen  und  mit  einer Dreipfennigmarke  frankiert.  "Hamburger  Lotterielos  oder  neue  Zigarren",  sagte  Rienäcker  und warf Kuvert und Inhalt, ohne weiter nachzusehen, beiseite. "Aber das hier … Ah, von Lene. Nun, den verspare ich mir bis zuletzt, wenn ihm dieser dritte, gesiegelte, nicht den Rang streitig macht. Ostensches Wappen. Also von Onkel Kurt Anton; Poststempel Berlin, will sagen: schon da. Was wird er nur wollen? Zehn gegen eins, ich soll mit ihm frühstücken oder einen Sattel kaufen oder ihn zu  Renz  begleiten,  vielleicht  auch  zu  Kroll;  am  wahrscheinlichsten  das  eine  tun  und  das  andere nicht lassen." Und er schnitt das Kuvert, auf dem er auch Onkel Ostens Handschrift erkannt hatte, mit einem auf dem Fensterbrett liegenden Messerchen auf und nahm den Brief heraus. Der aber lautete : "Hotel Brandenburg, Nummer 15. Mein lieber Botho. Vor einer Stunde bin ich hier unter eurer alten   Berliner   Devise   ›Vor   Taschendieben   wird   gewarnt‹   auf   dem   Ostbahnhofe   glücklich eingetroffen und habe mich im Hotel Brandenburg einquartiert, will sagen an alter Stelle; was ein richtiger Konservativer ist, ist es auch in kleinen Dingen. Ich bleibe nur zwei Tage, denn eure Luft drückt mich. Es ist ein stickiges Nest. Alles andre mündlich. Ich erwarte Dich ein Uhr bei Hiller. Dann wollen wir einen Sattel kaufen. Und dann abends zu Renz. Sei pün ktlich. Dein alter Onkel Kurt Anton." Rienäcker lachte. "Dacht’ ich’s doch! Und doch eine Neuerung. Früher war es Borchardt, jetzt Hiller. Ei, ei, Onkelchen, was ein richtiger Konservativer ist, ist es auch in kleinen Dingen … Und nun  meine  liebe  Lene  …  Was  Onkel  Kurt  Anton  wohl  sagen  würde,  wenn  er  wüßte,  in  welcher Begleitung sein Brief und seine Befehle hier eingetroffen sind." Und während er so sprach, erbrach er Lenes Billet und las: 18
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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